Ein Tag in München: Warum die Isar-Metropole Berlin, Barcelona und Florenz nichts nachsteht

25 Grad, wolkenloser Himmel, und wir mittendrin in einer Stadt, die viel zu oft unterschätzt wird. München wird gerne als „das teure Bayern“ oder „die Stadt der Lederhosen und des Oktoberfests“ abgetan – aber wer sich einen Tag Zeit nimmt und wirklich hinschaut, merkt schnell: Diese Stadt spielt architektonisch, kulinarisch und atmosphärisch in derselben Liga wie Berlin, Barcelona oder Florenz. Wir sagen das nicht leichtfertig. Wir sagen das, weil wir an diesem einen Tag mehr gesehen haben, als uns lieb war – und trotzdem nur einen Bruchteil der Stadt.

Hier ist unser Tag, Station für Station.

Start am Sendlinger Tor

Unser Spaziergang beginnt am Sendlinger Tor, einem der drei erhaltenen Stadttore der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Backsteingotik wirkt fast schon unscheinbar zwischen den modernen Straßenbahnen und dem dichten Verkehr – aber genau dieser Kontrast zwischen Alt und Neu ist es, der München für uns so besonders macht. Von hier aus führt die Fußgängerzone schnurstracks Richtung Marienplatz, vorbei an kleinen Boutiquen, traditionsreichen Geschäften und dem einen oder anderen Straßenmusiker.

Marienplatz: Der Herzschlag der Stadt

Der Marienplatz braucht eigentlich keine Vorstellung. Das Neue Rathaus mit seiner neugotischen Fassade, das Glockenspiel, die Mariensäule in der Mitte des Platzes – hier pulsiert München. Auch wenn der Platz an einem sonnigen Tag im Sommer natürlich voller Touristen ist, verliert er nichts von seiner Wirkung. Wir haben eine Weile einfach nur dagestanden und geschaut. Manchmal muss man das.

Wer nicht auf eigene Faust durch die Altstadt ziehen, sondern lieber geführt Hintergründe zu Dom, Frauenkirche und dem berühmten Hofbräuhaus erfahren möchte, dem legen wir diesen deutschsprachigen Stadtrundgang ans Herz: München: Altstadt & Viktualienmarkt Stadtrundgang auf Deutsch (Affiliate-Link). Zum Abschluss geht es zum Viktualienmarkt, den wir an diesem Tag leider selbst nicht mehr geschafft haben – ein guter Grund, warum drei Tage für München wirklich keine schlechte Idee sind.

Mittagessen mit Steinofen-Pizza: Trattoria Pizzeria La Valle

Der Magen knurrt, und wir landen in der Trattoria Pizzeria La Valle, einem Familienbetrieb, der seit 1998 an gleicher Stelle Pizza aus dem Steinofen backt. Und was soll man sagen: fantastisch. Der Teig ist dünn, luftig, mit dieser leicht angekohlten Kruste am Rand, wie man sie sich wünscht. Klar, das Ganze hat seinen Preis – München eben, das gilt auch für die Gastronomie. Aber ehrlich gesagt: Wir haben schon in Italien selbst schlechtere Pizzen für ähnliches Geld gegessen. Wenn ihr in der Gegend um den Marienplatz oder die Fußgängerzone unterwegs seid und Hunger auf ein gutes, ehrliches Stück Pizza habt, könnt ihr hier nichts falsch machen.

Nachtisch bei Venchi am Marienplatz

Direkt am Marienplatz gönnen wir uns danach noch ein Eis bei Venchi, der italienischen Schokoladen- und Eismarke. Auch hier gilt: nicht billig, aber jeden Cent wert. Besonders die Sorten Dunkle Schokolade und Weißer Kaffee haben es uns angetan – cremig, intensiv im Geschmack, ohne künstlich zu wirken. Einziger Wermutstropfen: Die Schlange vor der Theke ist meistens ziemlich lang. Etwas Geduld solltet ihr also mitbringen, aber glaubt uns, es lohnt sich.

Ein Abstecher zu Dallmayr

Weiter geht’s zu Dallmayr, dem legendären Feinkosthaus unweit des Marienplatzes. Schon von außen ein Blickfang, innen ein Fest für die Sinne: Kaffee, Pralinen, exotische Gewürze, kunstvoll aufgetürmtes Obst und Gemüse. Man muss hier nichts kaufen, um den Besuch zu genießen – allein durch die Gänge zu schlendern und die Auslagen zu bestaunen, fühlt sich an wie ein kleiner Museumsbesuch mit Duftnote.

Gratis-Oper am Max-Joseph-Platz

Ein echtes Highlight, mit dem wir nicht gerechnet hatten: Vor der Bayerischen Staatsoper, auf dem gut gefüllten Max-Joseph-Platz, lief an diesem Tag eine kostenlose Opernübertragung. Menschen saßen auf Decken und Klappstühlen, andere standen einfach nur da und lauschten. Diese Mischung aus Hochkultur und Zugänglichkeit für alle – ohne Eintrittspreis, ohne Dresscode – hat uns richtig beeindruckt. Genau solche Momente sind es, die eine Stadt lebenswert machen.

Durch die 5 Höfe zum Odeonsplatz

Von dort schlendern wir durch die 5 Höfe, ein kleines, aber architektonisch spannendes Einkaufszentrum mitten in der Altstadt, mit verwinkelten Innenhöfen, ungewöhnlichen Lichtinstallationen und einer angenehmen Ruhe abseits der Haupteinkaufsstraßen. Danach öffnet sich der Odeonsplatz mit der Theatinerkirche, deren gelbe Fassade und grüne Kuppeln sofort ins Auge springen. Ein Hauch Italien mitten in Bayern – kein Wunder, dass wir ständig Vergleiche zu Florenz ziehen mussten.

Hofgarten und Residenz

Direkt dahinter liegt der Hofgarten, eine wunderschöne, symmetrisch angelegte Parkanlage im Schatten der Residenz München, der ehemaligen Residenz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige. Zwischen Arkadengängen, Springbrunnen und altem Baumbestand lässt sich hier wunderbar eine Pause einlegen, bevor es weitergeht.

Freundschaftsfest an der Bayerischen Staatskanzlei

An der Bayerischen Staatskanzlei sind wir dann in ein Freundschaftsfest zum 250. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung hineingeraten. Ein unerwarteter, aber sehr passender Programmpunkt für einen Tag, der ohnehin schon von Offenheit und kulturellem Austausch geprägt war.

Dichtergarten, Haus der Kunst und Englischer Garten

Weiter geht es durch den Dichtergarten, vorbei am Haus der Kunst, hinein in den Englischen Garten – eine der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt, größer sogar als der Central Park in New York. Unser Ziel: die Eisbachwelle, wo sich Surfer bei jedem Wetter auf einer stehenden Welle mitten in der Stadt messen. Ein Anblick, der Erstbesucher immer wieder verblüfft – Surfen, mitten in Bayern, mehrere hundert Kilometer vom nächsten Meer entfernt.

Durch den Lehel zurück in die Stadt

Vom Englischen Garten aus führt unser Weg durch den Lehel, eines der ruhigeren, gründerzeitlich geprägten Viertel Münchens, mit schönen Altbaufassaden und einer angenehm entschleunigten Atmosphäre – ein schöner Kontrast zum Trubel der Innenstadt.

Mit den Öffis zum Stachus und weiter zum Isartor

Die Beine werden langsam schwer, also nehmen wir die öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Stachus (Karlsplatz). Von dort geht es zu Fuß weiter über die Kaufingerstraße, eine der belebtesten Einkaufsstraßen Münchens, bis wir schließlich am Isartor ankommen – dem letzten der drei großen mittelalterlichen Stadttore, das wir an diesem Tag noch sehen.

Praktische Tipps für euren München-Besuch

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Wer wenig Zeit hat oder sich lieber erst einmal einen Überblick verschaffen möchte, bevor es zu Fuß weitergeht, ist mit einer Hop-On/Hop-Off-Bustour durch München (1- oder 2-Tages-Ticket) gut bedient. Vom Doppeldeckerbus aus bekommt ihr einen ersten Panoramablick auf die Stadt, vom Olympiapark bis zum Schloss Nymphenburg, und könnt an den Stationen ein- und aussteigen, wie es euch passt.Beim Thema Übernachtung wird es in der Münchner Innenstadt schnell teuer. Nach Preis-Leistungs-Gesichtspunkten empfehlen wir das Hotel Concorde im Lehel – die Lage könnte kaum besser sein, mitten zwischen Altstadt und Englischem Garten. Wer lieber im Ausgehviertel Schwabing untergebracht ist, findet im Steigenberger eine sehr gute und preislich oft noch vertretbare Option. Deutlich günstiger geht es an der Messe München, sofern gerade keine große Messe stattfindet: Hier empfehlen wir das Motel One München-Messe. Direkt nebenan liegen zudem die Riem-Arkaden, ein großes Einkaufszentrum, in dem man auch günstig essen kann.

Fazit: Ein Tag reicht nicht

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