USA Roadtrip Etappe 5 – Kanab, Glamping und der Bryce Canyon

Kanab ist einer jener Orte auf dem Roadtrip durch den amerikanischen Südwesten, die man leicht unterschätzt – und dann länger bleibt als geplant. Die kleine Stadt im Süden Utahs liegt strategisch perfekt zwischen einigen der schönsten Nationalparks der USA und bietet dazu eine Unterkunft, die uns die stärkste Erinnerung des gesamten Trips hinterlassen hat.

Kanab – der perfekte Stützpunkt im Südwesten

Wer nicht täglich das Hotel wechseln möchte, ist in Kanab genau richtig. Von hier aus lassen sich gleich mehrere der spektakulärsten Ausflugsziele des amerikanischen Südwestens bequem als Tagesausflug erreichen:

  • Bryce Canyon National Park – ca. 1,5 Stunden
  • Zion National Park – ca. 45 Minuten
  • Coral Pink Sand Dunes State Park – ca. 20 Minuten

Die klassischen Hotel- und Motelketten sind in Kanab im Vergleich zu anderen Orten des Südwestens erfreulich günstig. Wer zwei oder drei Nächte einplant, kann die Region in Ruhe erkunden ohne jeden Tag weiterzufahren. Wir empfehlen mindestens zwei Übernachtungen.

Unsere Unterkunft – das Glamping-Zelt

Wir hatten uns für etwas entschieden, das weit außerhalb unserer gewohnten Komfortzone lag – ein Glamping-Zelt kurz vor Kanab. Und es war die beste Entscheidung der gesamten Reise.

Das Zelt war eine Offenbarung: komplett ausgestattete Küche, penibel sauber – und die beste Dusche die wir während des gesamten USA-Aufenthalts hatten. Draußen eine Terrasse mit Grillmöglichkeit, ringsum nichts als Wüste und der unendliche Sternenhimmel Utahs.

Allerdings hatten wir mit rund 0 Grad die kälteste Nacht unseres Urlaubs – und die haben wir auch im Zelt deutlich gespürt. Die erste Nacht verbrachten wir mit zwei Elektroheizungen und mehreren Heizlüftern, die auf Hochtouren liefen – und trotzdem war es bitterkalt. Erst in der zweiten Nacht kam die entscheidende Erkenntnis: Die Klimaanlage lässt sich zum Heizen nutzen und bringt das Zelt auf wohlige Temperaturen. Ein Tipp den wir gerne früher gehabt hätten.

Glamping ist eine Erfahrung die wir jedem empfehlen können – besonders in einer Gegend wie dem Südwesten der USA, wo der Nachthimmel so klar ist wie kaum irgendwo sonst auf der Welt. Es war die interessanteste und in vielerlei Hinsicht schönste Unterkunft unserer gesamten Amerikareise.

Abend am Grill – das einfachste und beste Abendessen

Den ersten Abend in Kanab nutzten wir für das vielleicht entspannteste Abendessen des Trips: Wir kauften in Kanab frisches Grillfleisch und warfen den Grill vor dem Zelt an. Unter dem Sternenhimmel Utahs, nach einem langen Tag mit Antelope Canyon und Horseshoe Bend – ein perfekter Abschluss.

Bryce Canyon National Park – trotz Widrigkeiten beeindruckend

Am nächsten Tag stand der Bryce Canyon National Park auf dem Programm. Die Anfahrt von Kanab zieht sich etwas – aber sie ist landschaftlich absolut traumhaft. Die Route führt über den Scenic Byway 12 durch den Red Canyon, einer der schönsten Straßen des gesamten Südwestens mit leuchtend roten Felsformationen direkt neben der Fahrbahn.

Mitte März empfing uns der Bryce Canyon mit strahlendem Sonnenschein und kühlem Wind – ein herrlicher Tag. In den Tälern lagen noch letzte Schneereste, die Hoodoos selbst strahlten in ihrem typischen Orange und Rot in der Sonne.

Der berühmte Wall Street-Abschnitt des Navajo Loop Trails – ein in den roten Fels gehauener Serpentinenweg, bekannt für seine hoch aufragenden Hoodoos und die engen, fast unwirklich wirkenden Schluchten – war an diesem Tag leider gesperrt. Eine Enttäuschung, die wir akzeptieren mussten.

Und dennoch: Selbst ohne den Wall Street Trail ist der Bryce Canyon ein Naturwunder das seinesgleichen sucht. Die Hoodoos – jene bizarren, turmartig aufragenden Felsnadeln in allen Schattierungen von Orange, Rot und Weiß – sind in dieser Dichte und Schönheit einzigartig auf der Welt. Im strahlenden Sonnenschein leuchteten sie in ihrer vollen Farbpracht, während in den Tälern noch vereinzelte Schneereste lagen – ein außergewöhnlicher Kontrast der dem Ganzen etwas Märchenhaftes verlieh.

Der Bryce Canyon ist einer jener Orte, bei denen man beim Abfahren bereits weiß: Hier kommen wir wieder – und dann mit mehr Zeit und offenen Trails.

Zion Nationalpark – und eine Lektion über Spring Break

Am nächsten Morgen verließen wir Kanab und fuhren über den Zion Nationalpark weiter nach Las Vegas. Der Osteingang des Parks ließ uns zunächst positiv überrascht – keine Wartezeit, kaum Verkehr. Wir dachten: perfekt, wenig los heute.

Was wir nicht wussten: Es war das erste Wochenende der amerikanischen Spring Break Ferien. Und das merkten wir sehr schnell. Nach dem legendären Zion-Mt. Carmel Tunnel – einem der längsten Tunnel der USA, der sich durch den roten Sandstein bohrt und ein Erlebnis für sich ist – wurde es zunehmend voller. Parkplatz nach Parkplatz war restlos belegt.

Wir konnten zwei, dreimal an kleinen Parkbuchten halten und ein paar Bilder machen – die Landschaft des Zion ist selbst aus dem fahrenden Auto heraus atemberaubend. Aber an den großen Aussichtspunkten und Trailheads war schlicht keine Chance auf einen Parkplatz. Wir rollten langsam durch den Park in Richtung Springdale und versuchten noch am Visitor Center einen Platz zu finden – nach 20 Minuten Warten gaben wir auf. Der Park war an diesem Tag schlicht überfüllt und ein sinnvoller Besuch nicht möglich.

Eine wichtige Lektion für alle die den Zion besuchen möchten: Spring Break meiden, früh morgens ankommen und den kostenlosen Shuttlebus nutzen – private Fahrzeuge kommen in der Hochsaison ohnehin nicht weit. Wir kommen wieder – aber dann besser vorbereitet.

Von St. George nach Las Vegas – eine der schönsten Strecken der Reise

Was uns nach dem überfüllten Zion entschädigte war die Weiterfahrt in Richtung Las Vegas. Besonders der Abschnitt von St. George bis Mesquite ist einer der landschaftlich eindrucksvollsten der gesamten Route – ein kurvenreicher Highway der sich durch enge Schluchten windet, mit roten Felswänden rechts und links und immer wieder atemberaubenden Ausblicken. Unbedingt Zeit einplanen und die Fahrt genießen.

Mit Einbruch der Dunkelheit erreichten wir schließlich Las Vegas – und der Anblick der Stadt die sich plötzlich funkelnd aus der schwarzen Wüste erhebt, ist jedes Mal aufs Neue unwirklich schön. Willkommen in Sin City.

Praktische Tipps für Kanab, Bryce Canyon und Zion

  • Kanab als Basis: Mindestens 2 Nächte einplanen – ideal für Bryce Canyon, Zion und Coral Pink Sand Dunes
  • Hotels in Kanab: Günstig im Vergleich zum restlichen Südwesten – gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Ketten
  • Glamping: Unbedingt ausprobieren – Klimaanlage zum Heizen nutzen bei kalten Nächten!
  • Reisezeit Bryce Canyon: Im März noch Schneereste und gesperrte Trails möglich – Sommer und Herbst ideal
  • Scenic Byway 12: Eine der schönsten Straßen der USA – Zeit einplanen für Stopps
  • Red Canyon: Kurz vor dem Bryce Canyon – unbedingt anhalten für Fotos
  • Wall Street Trail: Im Frühjahr manchmal gesperrt – vorher auf nps.gov/brca prüfen
  • National Park Pass: Gilt auch im Bryce Canyon – lohnt sich auf dieser Route definitiv
  • Zion National Park: Spring Break unbedingt meiden – Park ist dann restlos überfüllt
  • Zion Shuttlebus: In der Hochsaison kostenlos und unbedingt nutzen – mit dem Auto kommt man nicht weit
  • Zion Osteingang: Weniger frequentiert als der Westeingang – kürzere Wartezeiten
  • Zion-Mt. Carmel Tunnel: Ein Erlebnis für sich – unbedingt langsam fahren
  • Strecke St. George → Mesquite: Eine der schönsten Fahrtstrecken der gesamten Route – Zeit einplanen

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