Es gibt Reisetage die man nicht vergisst – nicht weil alles perfekt war, sondern weil sie einen wirklich fordern. Die Anfahrt ins Monument Valley war so ein Tag. Und der Morgen danach war einer der schönsten der gesamten Reise.
Anfahrt im Dunkeln – eine unerwartete Abenteuerfahrt
Wir verließen den Grand Canyon am späten Nachmittag und fuhren in Richtung Monument Valley – eine Strecke von etwa drei Stunden. Was uns niemand gesagt hatte: Die letzten Kilometer legen sich wie ein Film noir um einen. Vollständige Dunkelheit, kein Mond, eine schnurgerade Straße die sich endlos in die Nacht erstreckt. Viel Verkehr, viele Pickup-Trucks, viele Fahrer die es mit der Geschwindigkeit nicht so genau nahmen, immer wieder Polizeikontrollen am Straßenrand.
Wir stoppten einmal an einer kleinen Tankstelle – kaum beleuchtet, einsam gelegen. Die Kekse kosteten das Dreifache des Normalpreises, was wir zu diesem Zeitpunkt schon fast erwartet hatten. Auf dem Weg zurück zum Jeep lief uns plötzlich ein Schäferhund nach. In der Dunkelheit, auf einem schwach beleuchteten Parkplatz mitten in der Wüste – das war schlicht „scary“.
Kurz vor dem Monument Valley dann der nächste Moment: Wir bogen zu früh links auf einen Feldweg ab, überzeugt auf dem richtigen Weg zur Gouldings Lodge zu sein. Erst nach einigen Minuten dämmerte uns, dass wir uns auf Privatgelände befanden. Und dann tauchten die Scheinwerfer eines Pickup-Trucks hinter uns auf – der uns durch das dunkle Gelände verfolgte. Wir fuhren querfeldein zurück auf die Straße, rollten ganz langsam in Richtung Hotel und der Pickup folgte uns bis kurz vor den Eingang der Lodge.
Im Hotel angekommen – erster Eindruck: alt, abgelegen, irgendwie aus der Zeit gefallen. Wir hatten bei der Buchung von einem Zimmer mit Blick auf den Sonnenaufgang über dem Monument Valley gelesen. In diesem Moment war das schlicht unvorstellbar. Wir waren einfach nur froh, die Tür hinter uns abschließen zu können.
Gouldings Lodge – und der Sonnenaufgang der alles verändert
Und dann kam der Morgen. Und mit ihm eine der größten Überraschungen der gesamten Reise.
Wir wachten auf, und direkt vom Bett aus öffnete sich vor uns ein Sonnenaufgang über den Felsformationen des Monument Valley – den Mittens, den Merrick Buttes, dieser ikonischen Silhouette die man aus hunderten von Filmen kennt. In warmen Rot- und Orangetönen, ohne Wolken, in vollständiger Stille. Was am Abend zuvor noch unvorstellbar schien, stand nun direkt vor unseren Augen.
Ein Glücksfall dazu: Tagsüber war es leider relativ bedeckt. Wer also auf diesen Sonnenaufgang gehofft hatte, brauchte ein bisschen Glück – und wir hatten es.
Die Gouldings Lodge ist eines jener Hotels das man nicht nach modernen Maßstäben beurteilen sollte. Es ist alt, es liegt mitten in der Wüste, es ist weit weg von allem. Aber es liegt direkt am Monument Valley und bietet genau diesen Blick. Wer den Sonnenaufgang vom Bett aus erleben möchte, bucht hier.





Frühstück im Hotel
Das Frühstück in der Gouldings Lodge war kurz und mittelprächtig – funktional, aber nicht mehr. Nach dem Erlebnis des Sonnenaufgangs störte uns das herzlich wenig.
Forrest Gump Point
Unser erster Stopp nach dem Aufbruch war der berühmte Forrest Gump Point – jene Stelle auf dem U.S. Highway 163 wo im gleichnamigen Film Forrest Gump seinen legendären Lauf beendet. Eine schnurgerade Straße, die auf die roten Tafelberge des Monument Valley zuzulaufen scheint – eines der ikonischsten Straßenbilder Amerikas.
Das Wetter spielte an diesem Tag leider nicht vollständig mit, der Himmel war bedeckt. Die Kulisse ist dennoch beeindruckend, die Bilder lohnen sich auf jeden Fall. Bei blauem Himmel muss dieser Anblick schlicht atemberaubend sein – ein Grund mehr, wiederzukommen.



Mexican Hat – und die Versuchung weiterzufahren
Von dort fuhren wir die wenigen Kilometer weiter bis nach Mexican Hat – benannt nach einem markanten Felsen der tatsächlich wie ein umgekehrter Sombrero aussieht. Und hier passierte etwas, das wohl jedem Roadtripper bekannt ist: Die Straße lockte weiter, die Landschaft war zu schön, die Neugier zu groß. Am liebsten wären wir einfach weitergefahren.
Aber wir hatten noch einen langen Tag vor uns – also Kehrtwendung und zurück zum Monument Valley.
Scenic Drive Monument Valley – nur mit dem richtigen Fahrzeug
Zurück im Monument Valley folgte der Scenic Drive – eine 27 Kilometer lange Schotterpiste direkt durch die bekanntesten Felsformationen. Mit unserem Jeep Wrangler kein Problem: Es ruckelte ordentlich, aber die Strecke war problemlos zu bewältigen.
Was uns jedoch auffiel: Viele Urlauber fuhren hier in Kleinwagen oder gar Sportwagen – darunter auch Ford Mustangs. Das können wir klar nicht empfehlen. Die Piste ist staubig, uneben und stellenweise tief ausgefahren. Ein Geländewagen oder zumindest ein SUV mit ausreichend Bodenfreiheit ist hier die richtige Wahl. Wer keinen hat, bucht besser eine geführte Jeep-Tour direkt vor Ort.
Der Scenic Drive selbst ist wunderschön – die Felsformationen aus nächster Nähe, das warme Rot des Sandsteins, das Gefühl inmitten einer Filmkulisse zu fahren. Absolute Empfehlung.







Weiterfahrt nach Page – eine Strecke die begeistert
Nach dem Scenic Drive machten wir uns auf den Weg nach Page, unserem nächsten Übernachtungsziel. Die Strecke dorthin ist landschaftlich außergewöhnlich schön – weite Tafellandschaften, rote Felsen, kaum Verkehr. Besonders die letzten Kilometer vor Page haben uns sprachlos gemacht: Die Straße fällt leicht bergab, die Landschaft öffnet sich und irgendwo in der Tiefe erahnt man den Colorado River – in seiner unglaublichen Breite und Kraft. Ein Moment der zeigt, wie klein man als Mensch in dieser Landschaft ist.
Übernachtung: Comfort Inn and Suites, Page
In Page angekommen bezogen wir unser Zimmer im Comfort Inn and Suites. Nach den Erlebnissen der letzten beiden Tage war das eine willkommene Ankunft: Das Hotel ist sehr sauber, gut ausgestattet und angenehm unkompliziert. Genau das richtige nach einem langen Fahrtag.
Page ist ein guter Ausgangspunkt für die Highlights der Region – Antelope Canyon und Horseshoe Bend – über die wir im nächsten Artikel berichten.
Abendessen: The Barnyard, Page – der beste Burger unserer Leben
Nach diesem langen, intensiven Tag brauchten wir etwas Gutes zu essen. Und wir haben es gefunden – auf eine Art die wir nicht erwartet hatten. Das The Barnyard (643 Haul Rd, Page, AZ 86040) hat uns schlicht umgehauen. Der „The Big Tex“ war der beste Burger den wir je gegessen haben – nicht nur in den USA, sondern überhaupt. Saftig, perfekt gewürzt, in einer Größe die man kaum fassen kann.
Der beste Beweis: Am nächsten Tag sind wir noch einmal hingegangen. Wer in Page ist, geht ins The Barnyard. Keine Diskussion.
Praktische Tipps für Monument Valley und Page
- Anfahrt nachts: Unbedingt die Navigation genau im Blick behalten – in der Dunkelheit sind Abbiegungen schwer zu erkennen
- Gouldings Lodge: Für den Sonnenaufgang vom Zimmer aus buchen – aber mit realistischen Erwartungen ans Hotel selbst
- Forrest Gump Point: Kostenlos, kein Eintritt – einfach anhalten und genießen
- Scenic Drive: Nur mit Geländewagen oder SUV – kein Kleinwagen, kein Sportwagen
- Scenic Drive alternativ: Geführte Jeep-Touren direkt am Eingang buchbar
- Mexican Hat: Kurzer Abstecher lohnt sich – schöner Fotostopp
- Snacks & Getränke: Vorräte mitnehmen – Tankstellen in dieser Region verlangen sehr hohe Preise
- Fahrtzeit Monument Valley → Page: Ca. 1,5 Stunden
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